JOHANNA      ZEUNER
ev.Theologin   pädagogin   autorin

 

Predigt & Co

 

 

Predigt verstehe ich als An - Sprache. Als Impuls gebendes Medium, das von Gott zu den Menschen spricht. Ich  schaue dabei sowohl auf den Zusammenhang des Textes innerhalb der Bibel als auch auf den Lebenskontext meiner Hörer. Predigt kann Menschen ins Gespräch bringen, diese Erfahrung habe ich sowohl bei Kasualien(Beerdigung, Trauung, Taufe) als auch bei Gottesdiensten gemacht. Sprache zu finden für die christliche Botschaft bleibt jedoch immer Experiment.  

 

 

Predigt am 14.3.2010 Pauluskirche Wien 
Im Rahmen der Predigtreihe: „Von der Schönheit des Glaubens“- Kunst und Kirche

 

Liebe Gemeinde !

 

Laetare  - Freuet Euch
so heißt dieser Sonntag
und das passt gut zum Thema dieser Predigtreihe
Kunst und Kirche

ja Kunst ist eine Art der Freude

‚prodesse et delectare’
das soll sie können
nutzen und erfreuen ...
oder
‚form follows function’
selbst in der funktionalen Form noch schön sein

Kunst als eine Art der Freude

der Sinn -  haftigkeit
und Sinnlichkeit

In Dir ist Freude in allem Leide?

Ja, ich glaube es gibt auch eine Leidensgeschichte zwischen
Kunst und Kirche
geduldet ist sie immer nicht
in unseren manchmal engen auch nur  vier Kirchenwänden
in unserer festen Burg

warum
weil sie Sprengstoff ist
weil sie kritisch ist
weil sie hier und da auch  an-stößig ist

Kirche  und Kunst

Das ist: ‚ein weites Feld’
eine eigene Lektion
vielleicht auch Diktion


Kirche und Kunst
manchmal ein angespanntes Verhältnis

Gerade gestern entnahm ich den Medien, dass ein
modernes Bild, eine etwas drastische Darstellung  einer der 7 Todsünden
in einer größeren katholischen Kirche in Deutschland
auf Wunsch der Gemeinde
entfernt werden musste

Kunst und Kirche, ein immer wieder belebendes Verhältnis.
Ich erinnere mich an die Stadtkirche von Unna, eine alte gotische Hallenkirche, deren Altarraum  ausgeräumt und freigeräumt ist und durch ein Lichtspiel belebt wird. An den Wänden Gobelins von Emigrantinnen. So wird eine ehemals verschlafene Kleinstadtkirche zum Gedankenraum, Ruheraum, mittigen Raum -  in einer ehemaligen Kohlebergbaustadt- auch für die weitere Region.


Kunst und Kirche
ein Gegensatz -
oder ein Paar ?


Schaut man kunstgeschichtlich, dann war die
Verhältnissetzung lange Jahre,  ja Jahrhunderte lang, klar

Bis zum Mittelalter war Kunst gleich Kirchenkunst
Kunst eine Dienerin der Kirche
Noch Bach schrieb für jeden Sonntag, den Gott werden lies im Kirchenjahr eine Kantate
Das verlor sich dann
Mit der Renaissance wurde auch die Kunst mündig
und steht seitdem eher im kritischen Gegenüber

Kirchenkunst bekam  ungefähr seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert
und den kitschigen Jesusbildern eines
Julius Schnorr von Carolsfeld
den Touch des Hausbackenen, Betulichen,
des Immanenten.

Eine wirkliche Befruchtung
so behaupte ich jetzt einmal
von Kunst und Kirche
ist seitdem und allzumal in Zeiten des
kirchlichen Traditionsabbruches – und damit auch des Wegbruchs der Allgemeinverständlichkeit kirchlicher Symbolik -
nur noch relativ selten der Fall.
In der Architektur  vielleicht – so versuche ich hier einmal durch zu deklinieren- am Ehesten

Le Corpusiers Autobahnkirche ‚Rochamps’
Gaudis noch immer nicht fertige Basilika ‚Sacrada familia’, vor der er starb
Die ‚Wotrubakirche’ in Wien :

Abstrakte Kirchenräume,
die mit Licht und Dunkel spielen
und mit mittelalterlich anmutenden dicken Mauern


Der Expokirche auf der Weltausstellung in Hannover 2000:
Ein einfacher, leichter Kubus stand mit meditativ öffnender Klarheit am Anfang der Pavillionreihe der Nationen,
er konnte 1 Million Besucher verzeichnen

In Wien
fallen mir drei Kirchen ad hoc ein:
die katholische Unocitykirche,
die moderne Geborgenheit vermittelt -
und die beiden Schwesterkirchen ‚Glaubenskirche’  und ‚Arche’ in Simmering,
von Roland Rainer und Christoph Thetter,
die  protestantische Nüchternheit strahlen,
erhabene abstrakte Kirchenräume in alten Formaten.
Die Arche hat die  Masse 12 x 12 x 12 Meter, ein klassisches Maß alter gothischer Kathedralen.


In der Literatur
kommt es auch immer wieder
zu solchen qualitativ hochwertigen Überschneidungen:
Der Dichterpfarrer Kurt Marti,
die Germanistin und Theologin Dorothee Sölle,
und auch vor Ort und derzeit,  meine Kollegin Ines Knoll.


In der Kirchenmusik fallen mir Namen des frühen und mittleren 20.Jahrhunderts ein:
Lahusen, Diestler, Avo Pärd, Messien
Aber es gibt auch dort noch aktuelle Namen.
Wer wollte, konnte gestern in der Stadtkirche die ‚Easter – Suite’ von Oscar Peterson
hören.
Helge Burgrabe, Flötist und Komponist  füllt mit seinem ‚Oratorium von der Menschwerdung’ und seinem ‚Konzert der Stille’  große Säle und Kirchen.


Bei alledem bleiben meine Aufzählungen, zumindest die im weitläufigen Plural , wie sie vielleicht gemerkt haben, in der klassischen Moderne hängen –  will es so scheinen als wollen uns diese Namen langsam ausgehen ?
Die Namen für dieses qualitätsvolle Genre zwischen Kunst und Kirche ?

Spannend  auch
und manchmal denke ich noch viel mehr
sind die Rücklesbarkeiten
der populären Kunst und  Literatur auf religiöse Motive

War es nicht so – Brecht, der Atheist, zitierte nicht ungern die Bibel?

Ingeborg Bachmann – sie war übrigens evangelisch – in deren Biographie
wenig bis keine kirchliche Spuren zu finden sind, endet ihr Gedicht  ‚Die Welt ist weit’ mit ‚Gottes Händen’, in die die Welt im, wie sie sagt ‚Herbst der Zeit’ rollt…

Und Herbert Grönemeyer
besingt ein ‚Stück vom Himmel’   und  textet weiter ‚alles unendlich, unendlich, krude Zeit’

Da ist also doch noch etwas übrig? 
Da gibt es eine Art Restschnittmenge.


Kirche und Kunst -
ich google und staune
was es in meinem Heimatland schon alles gibt…

dass Stadtkirchen Kunst und Kulturräume sind,
schon lange und seit den letzten 20 Jahren
mit sogenannten Citykirchenkonzepten versehen,
das war mir klar

die Antoniterkirche in Köln gleich am Rhein
mit Barlachs Engel, der Käthe Kollwitz Gesicht trägt
war eine der ersten und hat bis zum heutigen Tage
ein schlichtes und schönes Programm ...

Liturgie
spielt in diesen Kirchen
wieder neu und kreativ eine Rolle

Predigt wird da ab und an zur Kunst
‚preaching as art’ (Nicol)
lautet ein noch nicht allzu altes Konzept,
das in diesen Kontext gehört

dass es
explizite ‚Kulturkirchen’ gibt
das war mir  mit  7 1/2 Jahren  der deutschen Welt fern sein
nicht mehr so klar
diese Kulturkirchen sind Kirchen, die man oft genug  eigentlich nicht mehr braucht

sie liegen nicht immer zentral
aber sie werden professionell bespielt
sie sind in verschiedenster Trägerschaft:
ein Verein
eine Gesellschaft...
eine Stadt

Neuruppin, die Stadt Theodor Fontanes z.B, hat so eine Kulturkirche
da werden rauschende Feste gefeiert mit gutem catering
in nunmehr einst heiligen vier Wänden
da sind Scheinwerfer Alltagsrepertoire
und eine evangelische Gemeinde erscheint auf der homepage nur noch als link
Ich persönlich kann mich  der Fazination dieser Kulturkirchen nicht ganz entziehen,
denn Veranstaltungen in diesen Kirchen sind gut gemanagt,
und  fast immer ausverkauft.

Wir haben so eine kleine Kirche übrigens auch schon in Wien
Kennen sie die Sissikapelle am Himmel ?
Ein Schmuckkasterl -
aber kirchlich christlich völlig entkernt.
Da gibt es keinen Altar mehr, kein Kreuz
nur einen neugothischen Raum, weißgetüncht.

Zu besonderen Anlässen wie Sylvester wird er von außen in allen bunten Farben angestrahlt
Die Sissikapelle ist in Trägerschaft des ‚Vereins am Himmel’
Ja man kann hier auch  noch oder wieder heiraten
wie Sissi
ein Priester oder Pfarrer dazu wird sich gewiss finden lassen.


Ja da geht es einerseits um Ausverkauf
und der ist unversehens doch schon geschehen

und andererseits

um ein: Sich endlich öffnen

denn Kunst kann wach machen
unseren Blick öffnen
und ist nicht fern der Spiritualität

’Religion ist Sinn und Geschmack fürs Unendliche’
hat der evangelische Theologe F. Schleiermacher um 1800 gesagt
und damit Kultur und Kirche noch einmal  ganz nah aneinander gerückt

Auch Karl Barth, Kontrahent Schleimachers 100 Jahre später,
der jegliche Vermittlung des Glaubens durch solche ‚Medien’
wie Musik und bildende Kunst aus seinem Programm eliminierte,
der dem Wort das Wort redete,
war der Kunst persönlich nicht abgeneigt.
Er war ein großer Freund der Musik Mozarts.

So ist das vielleicht
mit der Kunst
und der Kirche:

sie ist unsere sinnvolle Ergänzung,
das was wir nicht sind und können
das was wir wünschen, hoffen, glauben
was man nicht sagen kann

vielleicht ist die Kunst,
so etwas, wie es die
Mystik einmal war für die Kirche
 
Mystik das kommt von ‚myein’- mit geschlossen Augen sehen

mit geschlossenen Augen sehen
vielleicht kann das ja die Kunst:
ausdrücken was man nicht sagen und sehen kann, nur hoffen

R M . Rilke schreibt :

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn, und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

ja Kunst singt

und dieses Singen haben wir wieder nötig
als Wortmenschen und Protestanten allzumal

dieses Singen haben wir auch wieder nötig, um die
Zielgruppe zu erreichen, die F. Schleiermacher in seinen ‚Reden über die Religion’ die ‚Gebildeten unter Ihren Verächtern’ nannte
heute ist unsere Diktion harmloser und nennt sie ‚Kirchenferne’

‚Dieser Weg wird kein leichter sein…’
singt Xaver Naidoo

Wir brauchen nicht nur eine Öffnung für die in der Tat oft wie ein Alienum, ein Befremdnis wirkende weltliche Kunst,
wir brauchen auch eine neue Kirchen Kunst

Eine Kunst, die  heraustreten und sprechen kann

Ich glaube,  dass z. B Margot Käßmann   so eine Künstlerin war und bleiben wird,
indem sie die Sprache der Öffentlichkeit, der Medien beherrschte -
trotz Rücktritt ist ihr neustes Buch ‚In der Mitte des Lebens’ ein Bestseller,

Und ich glaube, dass wir mehr kulturelle  Ressourcen  in der evangelischen Kirche haben,
als wir meinen.

Das  evangelische ‚Pfingsten der Künstler’ hier in Wien
ist dafür ein gutes Beispiel.
Alle Jahr wieder tauchen hier Menschen aus der Verborgenheit
evangelischer Identität auf, von denen man viel zu wenig weiß.
Dieses Jahr  wird  das ‚Pfingsten der Künstler’  in die ‚Lange Nacht der Kirchen’  integriert.

Ja, wir haben da einen Schatz,
und ich glaube da sind wir hier in Österreich sogar richtig gut,
in diesem kulturellen Know- how kirchlich Engagierter und Interessierter,

und nicht nur in irdenen Gefäßen
wir haben da einen Schatz,
der uns schon jetzt zeigt, was noch nicht ist
was kommen mag

Was  kirchliche Kunst auch  heute noch  ausmacht?

Die Fähigkeit zur Durchdringung
die Leidensfähigkeit
und Leidenschaftlichkeit

Das Wissen ums Kreuz

Ich würde mir wünschen,
dass unsere Kirche noch stärker und bewusster aus diesem Schatz heraus lebt
und sich von hier her neu belebt   
        
Amen

 


Predigt am 24.12.2009

ev. Kirchengemeinde des Fleckens Westen/Aller

Liebe Gemeinde!

Weihnachten
alles abschalten
Das Radio, das Fernsehen, das Internet
Eine andere Welt gelten lassen
Die die höher ist als all unsere Vernunft

Wie wir hier Sonntag für Sonntag in der Kirche sagen

Gestern noch:
Menschen sind in Panik kurz vor dem Fest
Sie achten nicht mehr auf rote Ampeln – heute haben alle Vorfahrt
Sie stehen geduldig in Schlangen vor der Post
Sie sind -  wir sind das im ewigen Weihnachtsstress
Eine Freundin auch eine Pastorin sagt mir: Irgendwie
überfordert mich das Fest
Alle Jahre wieder

Letzte Woche:
Ich mache die Tür zu einer Schulklasse auf
Lauter Weihnachtsmänner oder Engel kommen mir in Schülerform entgegen
Wie war das: gab es nicht nur den einen
Ich lebe in einem anderen Land  derzeit als Norddeutsche, in Wien
Da kommt noch das Christkind zu allen, der Weihnachtsmann ist dort eine amerikanische und nicht sehr gemachte Erfindung –
Da kommt noch das Christkind
daran glauben die Kinder
Und dieses Geheimnis wird gewahrt so gut es geht
Es kommt durch das Fenster sagen mir die Schüler
Und dass sie wirklich daran geglaubt haben, bis zu einem gewissen Moment
Können sie sich noch daran erinnern
An ihren Kinderglauben
Irgendwas davon bleibt unzerstört zur Heiligen Nacht
Soweit es geht

Weihnachten ist Frieden

tatsächlich auch Frieden der die Welt umhüllt und umschließt
Weihnchtsfrieden das versuchen auch wir

Weihnachten ist Zeit

Die irgendwie stehen bleibt
Für eine kurzen Moment
Und das ist gut so
Soll so sein
Bei all dem Getue
Und Geschäft -mein Eindruck ist, dass Weihnachten immer weltlicher wird – Wenn der Weihnachtsmann Konkurrenz vom Weihnachtshasen bekommt, dann ist auch er nicht mehr besonders heilig –
Bei alle dem bleibt also doch ein heiliger Rest und der ist ganz schön groß von dem redet hier Jesaja
Der sagt ‚das Volk das im Finstern wandelt sieht ein großes Licht’

Wir können Weihnachten vermarkten bespielen und beschallen
Wir können versuchen vor Weihnachten zu fliehen, mit einem Flieger in ein anderes sonniges Land aber es wird uns was fehlen


Weihnachten ist bei uns selbst
Zuhause


‘Driving home for Christmas’ – singt Chris Rea
Und dann geht es in diesem Lied um all die Erinnerungen. die wir haben
An die gute alte Zeit
Die uns ein Lied von Zukunft zu singen vermag
„Es ist ein Ros entsprungen von Jesse kam die Art“
Haben wir erst gesungen.
Jesse – das ist eine altdeutsches Wort für Jesaja . den großen Propheten von dem dem  der Predigttext stammt , den ich gleich lese

Wie uns die Alten sungen- ja dies Lied kennen wir schon verdammt lang
das von der Heiligen Nacht
Und hat ein Blümlein bracht,

Weihnachten blühen wir auf
Haben wir auch Zukunft
Beginnt eine neue Zeit
Trotz Wirtschaftskrise und seinen Wehen
Trotz Einsamkeit und Fragen

Und hat ein Blümlein bracht
Mitten im kalten Winter
Wohl zu der halben Nacht
Ein Blümlein
Das ist dieses Ros, das altdeutsch Reis bedeutet
also ein
Neuer Ast im Stammbaum der Zeit
Ein neuer Zweig der Menschheit der aufgemacht wird Weihnachten
Alle Jahre wieder - neu
Mit Christi Geburt
Im Adventlied „Wie soll Dich empfangen“ heißt es 

Das schreib dir in dein Herze,
du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze
sich häufet mehr und mehr.
Seid unverzagt, ihr habet
die Hülfe vor der Tür;
der eure Herzen labet
und tröstet, steht allhier.


Ein Ros ist entsprungen ein Reis
Ein neuer Lebenszweig
Das Christentum
Das grünen und blühen soll
Wohl zu der halben Nacht

Ja es gibt so eine verborgene Grundhandlung,  ein nichtgreifbares Etwas von Weihnachten
Ohne die das Fest nicht lebt

Wir haben sie eben gehört
Die Geschichte

Das ist die Urgeschichte
Unsere Urgeschichte
Ein Kind wird geboren in einem Stall
Ein armer Mensch wird zum König der Menschheit gekrönt

Vom Anfang an
Im Lichtsrahl Gottes

Von Anfang an
Ein Leuchten und Licht

Das die Welt erhält
Das uns leitet und liebt

Von Anfang an
ein anderer Friede
Der uns alle Jahre wieder
Ein wenig erfassen darf

Wie ein Engel

Das ist das wahre Geschenk
 
Die Freundlichkeit Gottes wohnt mitten unter uns
ist Mensch geworden und geboren
Noch unberührt
In alles Ach und Weh
Der Welt
kommt Gott mit diesem Glanz
mit diesem neuen Leuchten
Er zeigt sein menschliches Gesicht

„Er wird ein Knecht und ich ein Herr
Das mag ein Wechsel sein“
Heißt es in einem alten Weihnachtslied
‚Lobt Gott ihr Christen alle gleich’

Martin Luther hat vom fröhlichen Wechsel gesprochen
Gott wird Mensch
Und wir werden Weihnachten etwas größer
Wachsen über uns hinaus

Die mittelalterliche Theologin
Katharina von Sciena hat das so in Worte gefasst .

„Als Du klein wurdest Gott hast Du den Menschen gross gemacht“


Und doch schauen wir
auf Weihnachten
nach oben

Zu diesem der höher ist als all unsere Vernunft

Wir schauen nicht fern
Wir schauen nah

Nah dran
Wie rangezoomt ist plötzlich  die göttliche Wahrheit und das göttliche Geschehen
Bei Jesaja im 9. Kapitel heißt es

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. 3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.


Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.

Das Volk, das im Finstern wandelt und  ein großes Licht sieht-

Ich sehe viele Menschen  so wie bei der Wende damals

Ein Menschenzug in die Freiheit
 
Züge, Züge der Zeit,
„wir sitzen alle im gleichen Zug und fahren durch die Zeit“ hat der
Dichter Erich Kästner in schwerer Zeit gedichtet.

Das Volk, das im Finstern wandelt, dieser Zeitzug,
sieht ein großes Licht

Gott kommt zur Welt.

um  unsere Welt, in der wir leben - um uns, besser zu verstehen
schickt er einen Menschen, einen der obwohl von göttlicher Natur Mensch ist wie kein anderer, ein  Mensch für uns.

Ein Mensch der uns aushält, der uns erträgt, in unseren Schwächen, in unserer Finsternis. Friedefürst - der um Licht weiß in unserem leben, Wunderrat - und es allen zeigt.

Der geboren wird mit einer großen  Botschaft vom kommenden Reich.
Nein Weihnachten wird nicht alles anders werden,  aber
Deutlicher als sonst spüren  viele Menschen, in diesen Tagen, dass es noch mehr geben muss, als das noch immer zuviel. Und manch einer lässt dieser Tage auch einen tieferen Gedanken an sich herankommen. Selten vertrauen wir  und erfahren wir so auf  die verwandelnde Kraft Gottes, wie zu dieser Zeit. Durch das sichtbar werden Gottes in einem zerbrechlichen Kind, wird es für einen Moment hell in unserer Welt.
Das licht der Weihnacht, das da in unsere Welt hinein bricht, zum Erstaunen und Schrecken derer, die es das erste mal sahen, es ist ein buntes Licht, spektralfarbengleich.
Die katholische Nachbarkirche in meinem ersten Pfarramt hatte  Glasfenster, die aufstrahlen über den Besuchern, sie haben eine Form die man nicht gleich sieht, sie haben die Form des Gekreuzigten- ganz unschuldig wie ein Kind, das aufstrahlt über der Finsternis unseres Lebens in Farbe.
Immer schon ist in Weihnachten auch Ostern beschlossen, der geboren wird, geht weiter bis hin zum Kreuz. Ostern, ist, schaut man auf die Geschichte der Kirche das frühere Fest, und was wir heute feiern, heilige Nacht steht in enger Verbindung mit der Nacht, in der der Tod überwunden wird, mit der Osternacht.
Das Kind in der Krippe ist kein harmloses Kind, es ist Licht.
„Es scheint wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht“.
Jesus Christus. In diesem Titel des Gottesohnes ist beides beschlossen, das reine Kind und der Auferstandene, der mehr weiß als wir.
Das Kind , das wir heute besingen, ist eine Großmacht, eine ganz eigene und eigentümliche,
Friedefürst, Wunderrat, Gottheld.
Heißt es da in diesem schönen alten Text
Diese  besondern Titel von Jesus , weil sie so schön sind sag ich sie gleich noch mal:  Friedefürst, Wunderrat, Gottheld,
die wir nur zu Weihnachten hören klingen wie Musik, manch einer mag die Musik von Händels Messias zu diesen Worten  im Ohr haben.
Bei Händel donnern sie auf die Erde.
Hingestellt werden da seine Namen, groß und erhaben und doch sanft vor die Welt.
Seht her: Friedfürst, Wunderrat.

Ja Frieden, das ist das  eigentliche Ende  vom Weihnachtslied, die Unterdrückung bricht, der Krumme wird gerade, Weihnachten macht frei.

Denn uns ist ein Kind geboren. Ein Sohn ist uns gegeben.

Dieses Lied des Propheten Jesaja -ist  seiner Zeit voraus ist - 800 Jahre vor Christus schreibt der Prophet von dem König des Friedens der kommen wird, der Raum schaffen wird  für eine neue  Gerechtigkeit und neuerwachendes Leben-
„Der Heil und Leben mit sich bringt,
der halben jauchst mit Freuden singt“

Weihnachtszeit - Friedenszeit ?
Frieden stiften, das  ist es was dieser Friedefürst  von uns erwartet.

Weihnachtszeit  - Wunderzeit ?
Ein Kind wird geboren – das ist immer Grund zum Staunen-
Ein Kind, das die Welt verwandelt – dann staunen wir umso mehr.

„Du weckst lauten Jubel“ heißt es da beim Propheten Jesaja
jubeln, dass tun wir gemeinhin, wenn einer für alle einen Sieg erringt.
Jubeln - oder dezenter loben, das ist eine altgediente  Tugend auch hier in unseren  Kirchenräumen
Warum nicht,  nicht nur stille Nacht,

auch laute und  starke Nacht,   ein Lob geht durch diese Nacht –

die Posauen, die wir  bald hören werden, werden  uns Kunde geben davon.

Und doch
Vor allem
Stille Nacht


Heilige Nacht

Amen